Hans Dichand, Jörg Haider, Rolf-Josef Eibicht: der Kreis der Heimat
04. Februar 2002

 

From: Bernhard Kraut
To: chefredaktion@kronenzeitung.at
Sent: Monday, February 04, 2002 7:43 PM
Subject: Hans Dichand, Jörg Haider, Rolf-Josef Eibicht: der Kreis der Heimat

Sehr geehrter Herr Dichand,

meine Frage, wer denn der Verfasser Ihrer Serie "Nemcum smrt! ..." sei, bleibt auch heute, nach Erscheinen des zweiten diesbezüglichen Artikels, aufrecht.

Nachdem Sie in der heutigen Ausgabe die Bezugsquelle - "Heimatkreis Mies Pilsen e.V." - für den von Ihnen so ausgiebig zitierten Roman von Sedonia Dedina bekanntgegeben haben, machen Sie es mir leicht, darauf endlich eingehen zu können.

Der Heimatkreis Mies Pilsen e.V. bietet auf seiner Webpage u.a. auch folgende Publikationen an:

"Rolf-Josef Eibicht/Anne Hipp: Der Vertreibungsholocaust. Politik zur Wiedergutmachung eines Jahrtausendverbrechens, 420 Seiten, gebunden, Schutzumschlag, zahlreiche Dokumente und Bilder, DM 39,80. Mit einem Vorwort von Helmut Müller, Wien, und Beiträgen von Prof. Emil Schlee, Prof. Dr. Helmut Schröcke, Dr. Walter Staffa, Dr. Alfred Ardelt, Franz Karl Wolf, Karsten Eder und Karl H. Schwind."

"Neuerscheinung 2000!: Zerstörte Heimat - Das Egerland heute... - Vorankündigung einer bemerkenswerten Neuveröffentlichung

Der Heimatkreis Mies-Pilsen e.V. bringt einen Bildband heraus mit etwa 70 Farbaufnahmen und zahlreichen interessanten Texten. Die Bilder zeigen wie weit Verfall und Zerstörung im Egerland schon fortgeschritten sind. In den Texten wird an die unveräußerlichen und unverzichtbaren Rechte der Sudetendeutschen erinnert. In einem Artikel von Dr. Hans Mirtes wird auf die Gefahren hingewiesen, die von der Tschechischen Republik für Westeuropa aber insbesondere für Deutschland und Österreich ausgehen. Dieses Land ist und bleibt ein politischer Risikofaktor und ist ein unberechenbarer Partner. Mit diesem Artikel soll auch eine neue Betrachtungsweise diese Landes eingeleitet werden, dessen Politiker es immer wieder verstanden haben, sich als Demokraten anzubieten, sich letztlich aber zum Handlanger einer gegen Deutschland gerichteten Einkreisungspolitik mißbrauchen ließen und auch heute wieder - von Teilen der Medien und Öffentlichkeit unbemerkt - mißbrauchen lassen."

Der Heimatkreis Mies-Pilsen e.V. bietet aber auch unzählige kostenlos abrufbare Artikel auf seiner Homepage an, wie z.B.:

Mag. Rolf-Josef Eibicht: "Der polnische und tschechische Imperialismus"

"Die Verfolgung der Deutschen steigerte sich im Sommer 1939, und zwar noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, bis hin zum offenen Massenmord - ein nicht unerheblicher Grund dafür, weshalb es zur Kriegserklärung Deutschlands an Polen kam. Diese Mordorgie steigerte sich noch nach Beginn der Kampfhandlungen. Die vorrückenden deutschen Truppen fanden Tausende von ermordeten Volksdeutschen vor; unzählige andere waren brutal mißhandelt viele Frauen vergewaltigt worden. Diese Verbrechen waren von Polen verübt worden, ohne daß Behörden, Armee oder Polizei dagegen eingeschritten wären."

Ich denke, dieses Zitat reicht vollkommen aus, um die "seriöse Geschichtsdarstellung" Ihrer, Herr Dichand, Quellen zu belegen. Ist Rolf-Josef Eibicht, ein bekannter und rechter Vielschreiber, der Verfasser Ihres Aufrufs "Der Wahrheit eine Gasse"?

Nur ein wenig Scrollen bringt uns von Mag. Rolf-Josef Eibicht zu Landeshauptmann Dr. Jörg Haider:

"Rede von LH Dr. Jörg Haider, 3. März 2001, Gedenkfeier der Sudetendeutschen Landsmannschaft"

"Es ist daher positiv, wenn die neue österreichische Bundesregierung erstmals nach vielen Jahrzehnten eine ist, die sich auch dieser geschichtlichen Frage der Altösterreicher stellt und die Entschlossenheit aufbringt, auch im Interesse der geschichtlichen Wahrheit für diese Altösterreicher entsprechende Weichen zu stellen."

"Die Kärntner Bevölkerung hat durch die Gunst der historischen Ereignisse die Chance bekommen, vom Selbstbestimmungsrecht Gebrauch zu machen, und hat eine klare Entscheidung für ein freies und ungeteiltes Kärnten bei der nahen Republik Österreich (Hervorhebung B.K.) getroffen."

In der heutigen Ausgabe schreiben oder lassen Sie schreiben: "Immerhin wurde die Vertreibung der Sudetendeutschen vom bedeutenden, indessen verstorbenen Völkerrechtler Felix Ermacora als 'Genozid' bezeichnet." Im Anhang finden Sie einen Artikel aus 1994 vor, um in Erinnerung zu rufen, mit welch bedeutenden Persönlichkeiten und Vereinigungen Herr Ermacora verkehrte, und wovor er keine Angst hatte

Abschließend möchte ich die Adressaten dieser offenen E-mail eindringlich ersuchen, diese Informationen hier zum Anlaß zu nehmen, um selbst weitere Recherchen anzustellen und breitest öffentlich historiographisch seriös darüber zu berichten, denn es kann nicht angehen, daß diesem unverantwortlichen und dem Revisionismus anscheinend zugewandten Zeitungsherausgeber die Geschichtsschreibung überlassen wird, denn es ist nicht zu erwarten, daß die vorhandenen rechtlichen Mitteln gegen diese Zeitung tatsächlich im vollem Umfange angewendet werden.

Mit dieser Serie, könnte man beinahe meinen, möchte Hans Dichand beweisen, daß seine Zeitung sich durch kaum mehr als durch die Auflagenhöhe von einem "Eckartboten", von einer "Zur Zeit", von einer "Halt" unterscheidet.

Da ich diese offene E-mail mit einer Anrede an Sie, Herr Dichand, begonnen habe, möchte ich nicht unhöflich erscheinen und schließe daher kaufmännisch

mit freundlichen Grüßen,
Bernhard Kraut

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DER RECHTE RAND Nr. 31 vom Oktober / November 1994, S. 3

Gesamttiroler Freiheitskommers in Innsbruck

Der Traum vom Großdeutschen Reich

Von Anton Maegerle

Prof.Dr.Dr. Felix Ermarcora, brachte es auf den Punkt. Unter dem Beifall von 1.500 Burschenschaftern aus dem deutschsprachigen Raum stellte der Wiener Völkerrechtler, zugleich Präsident des Soldatenverbandes "Österreichischer Kameradschaftsbund", unumwunden fest: "Keine Angst vor Großdeutschland".

Geladen war Ermacora zum "Gesamt-Tiroler Freiheitskommers", der am 22.Oktober im Innsbrucker Kongreßzentrum Dogana über die Bühne ging. Bei der Veranstaltung wurde von allen Rednern, darunter auch der FPÖ- Generalsekretär Walter Meischberger, die Forderung nach einer Vereinigung Tirols mit dem zu Italien gehörigen Südtirol erneuert.

Veranstaltende Verbände des revanchistischen Treffens waren unter anderen die "Deutsche Burschenschaft", die Innsbrucker Burschenschaften "Brixia" und "Suevia" sowie der "Wiener Korporations-Ring". Als dessen Sprecher fungierte bis Ende 1992 Franz Radl, einer der Hauptverdächtigen der Briefbombenserie, die im Dezember letzten Jahres die Alpenrepublik erschütterte. Rechter Terror gegen Ausländerfreunde.

Verantwortlich für den Festausschuß des "Freiheitskommers" zeichnete Franz Watschinger von der Burschenschaft "Brixia". In der führenden Wochenzeitung für braungefärbte Akademiker, der "Jungen Freiheit" (JF), die über die Vorbereitungen zum Kommers mehrfach berichtete, ist Watschinger zuständig für Kampfartikel in Sachen Südtirol. Die "Brixia" geriet erstmals im November 1961 in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, daß die Schändung des jüdischen Friedhofs in Innsbruck von einem Mitglied dieser "wehrhaften Korporation" vorgenommen wurde. 1989 rückte die "Brixia" erneut in das Rampenlicht der Medien, als die Burschenschaftler den notorischen Auschwitz-Leugner David Irving in Innsbruck auftreten lassen wollten.

"Alter Herr" der "Brixia" ist Peter Kienesberger, der wegen seiner Beteiligung an Bombenanschlägen in Südtirol während der sechziger Jahre -in Abwesenheit- in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Heute hält Kienesberger, der den Anschluß von Südtirol an Österreich herbeibomben wollte, einen 1.000 Mark-Anteil bei der "Jungen Freiheit Verlagsgesellschaft".

Eine burschenschaftliche Heimat bei der "Brixia" hat auch Rudolf Watschinger, Vater seines Sprosses Franz, gefunden. Watschinger senior, "Südtirolbumser" wie Kienesberger, war einst Vorsitzender der zwischenzeitlich verbotenen "Nationaldemokratischen Partei Österreichs" (NDP) und bekennt sich heute noch stolz zu seinen Gewalttaten gegen Italien.

Publizistisch tätig sind Watschinger junior und senior beim österreichischen "AULA-Verlag", der im Eigentum der FPÖ-nahen "Freiheitlichen Akademikerverbände" steht. Gelesen werden die Verlagspublikationen, die Monatsschrift "Aula-das freiheitliche Magazin" und die Vierteljahresschrift "Identität. Jugend-und Studentenzeitung" auch außerhalb Österreichs, in der Bundesrepublik, in der Schweiz sowie "in Südtirol und in den deutschen Minderheitsgebieten in Ost- Mitteleuropa" (Eigenangaben). Die jüngste Ausgabe der Postille "Identität", ein Themenheft zum Tiroler Freiheitskommers, lag denn auch kostenlos im Saal des Kongreßzentruzms Dogana für alle Kommersteilnehmer bereit. "Sachkundige" Autoren wie Rudolf und Franz Watschinger äüßern sich darin zur Südtirol-Frage. Watschinger junior betont in seinem "Identität"- Beitrag, "daß für die Südtiroler ein Recht auf Austritt aus dem italienischen Staat besteht".

"Identität"-Chefredakteur ist Jürgen Hatzenbichler, zugleich einer der Macher der "Jungen Freiheit" und Autor in "Nation+Europa", der bedeutendsten ideenpolitischen Zeitschrift bundesdeutscher Rechtsextremisten jeglicher Couleur.

Bei der "Brixia" beheimatet ist auch Herwig Nachtmann, Schriftleiter und Geschäftsführer der "Aula". Selbstredend zählt der "Alte Herr" zum Kreis ehemaliger "Südtirol-Bumser" und NDP-Aktivisten - Südtirol war und ist eben ein Betätigungsfeld für alle Rechtsextremisten in Österreich.

Neben der Zeitschrift "Identität" lag im rauch-und bier-durchschwängerten Saal auch die Monatszeitschrift "Eckartbote", die von der Österreichischen Landsmannschaft herausgegeben wird, aus. Stolz wird in deren Oktoberausgabe über die seit nunmehr 6 Jahren in Wien bestehende "national-freiheitliche" Studentinnenverbindung "M!Freya" berichtet.

Gegen den "Gesamttiroler Freiheitskommers", einen Liederabend für Biedermänner, stramm organisiert von rechten Herrenmenschen, demonstrierten in der Innsbrucker Innenstadt (Motto: "Kampf dem nazionalen Schulterschluß") rund 3.500 Menschen. Völlig gewaltfrei - trotz des provokativen Einsatzes der Polizei, die mit Hubschrauber, Wasserwerfern und Kampfhunden einen engen Gürtel um die Innenstadt gelegt hatte. Hetzerische Stimmung gegen die DemonstrationsteilnehmerInnen hatte Walter Meischberger, Südtirolsprecher der FPÖ geschürt, als er im Vorfeld der Demo die Teilnehmer als "linke Chaoten und Anarchisten" beschimpfte.

In Österreich hielt sich zum Zeitpunkt des "Gesamt-Tiroler Freiheitskommers" auch Dr.Erhard Hartung, Dozent und Oberarzt der Düsseldorfer Heinrich-Heine Universität, auf. Hartung, ein "Südtirolbumser", wurde 1970 in Italien wegen Beteiligung an einem Terror-Anschlag zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Noch vor wenigen Monaten durfte Hartung bei einem Mediziner-Kongreß im chinesischen Wuhan eine Grußbotschaft des Bundeskanzlers überbringen. Nach Bekanntwerden der rechtsextremen Umtriebe von Hartung, fordert nun ein "Koordinierungskreis antifaschistischer Gruppen aus Düsseldorf und dem Umland" in einem Offenen Brief an den Uni-Rektor Professor Gert Kaiser dazu auf, "Herrn Hartung mit sofortiger Wirkung von allen seinen Aufgaben an der Heinrich Heine Universität zu suspendieren".

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